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Schafft Luca Dallago endlich den Durchbruch?

Scott Croxall, Luca Dallago und Kyle Croxall
Der kampferprobte Österreicher will die zurückliegende Saison abhaken und 2017/18 durchstarten

Luca Dallago aus Österreich gehörte in den vergangenen vier Jahren zu den vielversprechenden Jungstars im Ice Cross Downhill und stand nach seinem beeindruckenden fünften Platz 2015/16 in der letzten Saison kurz vor dem endgültigen Durchbruch. Doch unglückliche Umstände sorgten dafür, dass er es am Ende nicht in die Top 10 schaffte.

Dallago – der jüngere Bruder von Marco Dallago, Weltmeister von 2014 – hofft nun darauf, dass er in der kommenden Saison 2017/18 der Welt endlich zeigen kann, dass er das Talent und die Fähigkeiten hat, Rennen in dem Sport zu gewinnen, bei dem vier Athleten gleichzeitig einen 300 bis 600 Meter langen und mit Hindernissen gespickten Eiskanal mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h herunterrasen. Dallago hofft auf seine bisher beste Saison, obwohl er sein Training in der Saisonpause reduzieren musste.

"Ich kann wirklich nicht erklären, was letztes Jahr passiert ist", erklärt Luca Dellago, der in der schnellsten Sportart auf Kufen im vergangenen Jahr von Platz fünf aus den Top 10 rutschte, obwohl er zu den gefürchteten Athleten der Red Bull Crashed Tour und bei den Riders Cup Rennen gehört. "Ich kann es nicht verstehen, wieso es trotz meiner Fähigkeiten, Geschwindigkeit und dem unglaublichen Fokus nicht geklappt hat. Aber es ist nun einmal passiert. Ich weiß, was ich kann. Ich stecke wahrscheinlich mehr harte Arbeit in mein Laufen als die meisten anderen. Es ist verrückt."

Dallago schaffte in der letzten Saison beim Eröffnungsevent Marseille den Sprung ins Halbfinale, erwischte allerdings ein Loch im Eis und wurde Siebter. Foto: Joerg Mitter/Red Bull Content Pool.

Der 25-Jährige Dallago, gefürchtet und respektiert für seine rasante Geschwindigkeit im Downhill Eiskanal sowie seine explosiven Starts, wurde in der vergangenen Saison von einer Vielzahl unglücklicher Umstände heimgesucht. Im Halbfinale beim Red Bull Crushed Ice in Marseille geriet er durch ein Loch in der Strecke ins Straucheln, wurde Siebter und musste in Finnland und Saint Paul kontroverse Disqualifikationen in Kauf nehmen, bevor er sich beim Saisonfinale in Ottawa noch am Rücken verletzte.

"Es gab nicht viel, was schiefgelaufen ist, aber wenn es passierte, dann ging es so richtig schief", so Dallago, der in seiner Jugend Eishockey in Graz spielte und in Kärnten Ski fuhr. "Ich wurde für fast jeden Fehler, den ich gemacht habe, bestraft."

Das dritte Red Bull Crushed Ice der Saison war sowohl ein Wendepunkt und zugleich passende Metapher für den gesamten Winter als auch für seine Karriere. Es begann mit einem makellosen Start im hochkarätig besetzten Halbfinale, in dem er sich gleich gegen drei frühere Weltmeister beweisen musste: seinen Bruder Marco sowie die Croxall Brüder Kyle und Scott. Luca Dallago zeigte jedoch gegen die drei ehemaligen Weltmeister keine Scheu und überquerte die Ziellinie nach einem der spannendsten Rennen als Erster, was den ersten Sieg seiner Red Bull Crushed Ice Karriere bedeutet hätte. Doch Luca Dallago wurde – nach Meinung der Zuschauer eher ungerechtfertigt – disqualifiziert, weil er kurz und vermutlich unabsichtlich den Gesichtsschutz von Scott Croxall berührte, als er versuchte, sich im Gedränge der ersten Kurve auf den Schlittschuhen zu halten. Denn eigentlich wurde Luca von seinem Bruder Marco in der Wall Ride Kurve von hinten getroffen und versuchte lediglich, auf den Füßen zu bleiben.

Beim jüngeren Dallago wurde im Halbfinale von Saint Paul auf vorsätzliches Fehlverhalten entschieden. Die Folge: die zweite Disqualifikation in Folge. Foto: Andreas Langreiter/Red Bull Content Pool.

"Im Vorfeld der Saison wollte ich einfach nur einmal gewinnen. Dass mir das durch ein DQ genommen wurde, war absolut niederschmetternd für mich", sagt Dallago, der immer noch davon genervt ist, dass ihm sein erster Sieg aberkannt wurde. "Es steckte keine Absicht dahinter, in seine Gesichtsmaske zu greifen. und ich stimme der Entscheidung immer noch nicht zu. Ich habe es noch nicht einmal gesehen oder bemerkt. Es war so, als wenn man in der Dusche ausrutscht sich am Duschvorhang festhält, um auf den Füßen zu bleiben. Ich bin immer noch stolz darauf, wie ich an diesem Abend gefahren bin. Ich habe alles gegeben, um meinen ersten Sieg zu holen. Aber die Art wie es ausgegangen ist, macht mich krank. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass nach der harten Arbeit und dem Fokus ein Typ entscheidet, dass ich raus bin und das war es dann."

Der normalerweise eher freundlich gestimmte Luca Dallago konnte nach dem Rennen im Athletenzelt nicht an sich halten und reagierte mit einem ungewöhnlichen Wutausbruch. Während sich die anderen für das Finale bereit machten, schnappte er sich einen Stuhl und warf diesen in eine leere Ecke, um seinen Frust zu bewältigen.

"Ich bin definitiv in meinem ganzen Leben noch nie so übergekocht", erklärt er. "Es war einfach der Höhepunkt jahrelanger Versuche und harter Arbeit, endlich gewinnen zu können. Und dann bist du so nah dran und es wird dir alles weggenommen. Ich bin einfach explodiert und implodiert. Ich war so darauf eingestellt, dieses Rennen zu gewinnen. Und ich konnte es nicht verstehen und akzeptieren, was passiert ist."

Dallago gibt jedoch zu, dass ihn Niederlagen zu sehr mitnehmen und er will versuchen, dies in diesem Winter zu ändern. Seine größte Stärke liegt in seiner Kreativität, und er weiß, dass er in den ersten Jahren auf der Tour viel von seinem älteren Bruder über das Rennen im Eiskanal gelernt hat. In den letzten zwei Saisons hat er jedoch versucht, "viel für sich selbst herauszufinden".

"Ich respektiere ihn als Fahrer, und er ist unglaublich schwer zu schlagen", so Luca Dallago. "Es gibt fünf Athleten in unserer Sportart, die es dauerhaft schaffen, auf dem Podium zu landen und Rennen gewinnen – Marco ist einer von ihnen. Er ist für mich nicht nur ein weiterer Fahrer in der Strecke. Ich habe immer gesagt, dass ich gerne gegen ihn antrete wie jeder andere auch, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich es nie gemocht, gegen ihn zu laufen. Ich habe immer ein wenig auf ihn geachtet, was aber nicht heißt, dass ich es ihm leichtgemacht habe. Ich hätte aber nie so etwas bei ihm gemacht wie er im letzten Jahr bei der Wall Ride in Saint Paul. Jetzt fühle ich mich befreit, gegen ihn anzutreten."

Luca erklärt, dass er nun befreit gegen seinen Bruder Marco bei den Rennen anzutreten kann. Foto: Daniel Grund/Red Bull Content Pool.

Luca Dallago hofft, dass 2017/18 eine herausragende Saison für ihn wird, auch wenn er seine Saisonvorbereitung im Vergleich zu den Vorjahren reduziert hat.

"Ich habe meine größten Bemühungen in das letzte Jahr gesteckt, und es hat sich für mich einfach nicht ausgezahlt", sagt er. "In diesem Jahr hatte ich nicht so viel Zeit, zu trainieren. Ich bin gespannt, wie eine Saison ohne Workouts im Sommer verlaufen wird. Einige schneiden auch ohne intensives Training sehr gut ab. Ich hoffe, dass wird in diesem Jahr auch bei mir der Fall sein."